Aus dir wird nichts.

Ich habe jetzt einen Wiedererkennungswert

Es ist jetzt schon ein paar Tage her, aber für mich war es eine recht interessante Erfahrung: Ich habe neuerdings einen Wiedererkennungswert. Ist das Wort überhaupt richtig? Klingt falsch. Für die Weihnachtsfeiertage musste ich in der Stadt einige Besorgungen erledigen. Nichts besonderes, ganz alltägliche Einkäufe. Hauptsächlich Bier und Fleisch und so. Wie aus dem Nichts sprach mich vor dem Kühlregal eine Frau mittleren Alters an. Ich habe sie bis dahin noch nie gesehen – sie mich anscheinend schon. Eine neue und irgendwie auch sehr interessante Erfahrung.

Verwirrung im Gesicht

„Sie sind doch der aus dem Internet.“ Mit den Gedanken war ich zu diesem Zeitpunkt eher bei Mett, Fleischsalat und Bier. Meine Verwirrung muss mir deutlich im Gesicht gestanden haben. „Sie sind doch der aus dem Internet“, wiederholt die fremde Dame freundlich. „Sie schreiben im Internet über so viele verschiedene Themen. Das finde ich total toll.“ Ich blinzle überrascht, aber endlich fällt bei mir der Groschen. Meine Eltern haben mich gut erzogen und wenn ich nicht gerade mit den Gedanken bei der nächsten Mahlzeit bin, dann schalte ich im Normalfall recht schnell – ich nicke ihr zu, bedanke mich für das nette Lob. Leider muss sie weiter, bevor ich nach ihrem Namen fragen kann. Wenn ich schon einen Fan habe, dann will ich ihn (oder in diesem Fall „sie“) doch wenigstens kennen. Mein alter Mathelehrer kommt mir in den Sinn. Er war nicht gerade ein begeisterter Anhänger von meinem Humor und meiner Art – wir kamen nicht sonderlich gut miteinander aus. Sein Lieblingssatz zu mir: „Aus dir wird nichts.“

Wiedererkennungswert – ist neu

Als ich damals mit dem Schreiben begonnen habe, da habe ich mir über so etwas keine großen Gedanken gemacht. Eigentlich habe ich ja immer nur für mich geschrieben. Dass ich davon irgendwann einmal leben kann, das war zwar immer ein Traum, aber so richtig wahrscheinlich und greifbar war es nie. Jetzt ist er doch irgendwie passiert und ich muss sagen: Es fühlt sich gut an.

Zuhause vor dem Schreibtisch kam mir das Wort „Wiedererkennungswert“ in den Sinn – klingt furchtbar, ist furchtbar und sieht auch nicht schön aus. Aber es passt. Wenn ich jetzt also schon fremde Menschen für meine Kolumnen begeistern kann, dann sollte ich meinen alten Plan mit dem Buch vielleicht doch nochmal aus dem Regal kramen und es versuchen. Das wirkt jetzt irgendwie größenwahnsinnig. Ein paar regelmäßige Leser und gleich wieder die alten Buchpläne wiederbeleben. Aber wieso nicht?

Mein eigenes Buch – verrückt!

Mein Traum war schon immer, ein eigenes Buch zu veröffentlichen. Mein Name auf dem Einband, meine Geschichten auf den Seiten. Ob sich dafür jemand interessiert? Schwierig. Allerdings schalten Woche für Woche auf tausende Zuschauer ein, wenn Bauer Edgar bei RTL auf der Suche nach der wahren Liebe ist und „Wetten, dass…?“ hat auch immerhin 33 Jahre überlebt. Da muss mein Werk ja gleich durch die Decke gehen. Wenn mir jetzt nicht die Sache mit der Faulheit im Weg stehen würde. Grundsätzlich müssten die Notizen für den ersten Band nur in vernünftige Sätze und Kapitel verpackt werden. Die gröbste Vorarbeit ist bereits erledigt.

Und irgendwer sollte das Buch dann auch drucken – und kaufen. Schon wieder eine Stufe schwieriger. Ich spinne den Gedanken weiter: Wenn ich jetzt auch noch Erfolg hätte, dann könnte ich Lesungen veranstalten. Aber wer kommt da? Meine Mama guckt sich das sicherlich ein oder zwei Mal an, die hat mich lieb. Vielleicht auch mein alter Deutschlehrer aus der Oberstufenzeit, darüber würde ich mich sehr freuen. Sollte mein Mathelehrer noch leben, dann bekommt er ein handsigniertes Exemplar: „Aus mir ist etwas geworden. Sebastian aus der 10b.“

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.