Bloß weg mit der Elbin!

Eine Trilogie endet – aber wie?

2014 ist wieder einmal ein wunderbares Jahr für Filmliebhaber. Ich schaue gerne Filme, egal ob im Kino oder zuhause auf dem Fernseher – ich bin da recht genügsam und freue mich meist nur auf entspannte Unterhaltung ohne viel Aufwand. Die größten Erwartungen habe ich in diesem Jahr wieder einmal in die Verfilmung von Tolkiens „Hobbit“ gesteckt: Peter Jacksons filmische Adaption „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“.

Diese Kolumne erscheint am Donnerstag, aus zeitlichen Gründen muss sie allerdings schon am Mittwochmittag fertig sein. Das passt mir grundsätzlich ganz gut, denn am Mittwochabend sitze ich mit meiner Freundin in der Mitternachtsvorstellung (die dieses Jahr  gar nicht um Mitternacht, sondern bereits um 22:45 Uhr startet. Also eigentlich eine „Einestundefünfzehnvormitternachtsvorstellung“.) und freue mich auf gute drei Stunden feinste Kinounterhaltung.

Kurz gesagt: Meine Erwartungen an den Film bringe ich also zu Papier, bevor ich den Film sehe – soweit gar nicht weiter ungewöhnlich. Allerdings veröffentliche ich sie erst, nachdem ich den Streifen gesehen habe. Ob das Sinn macht, das kann ich nicht beantworten. Um Sinn soll es mir aber auch nicht gehen.

Die Romanvorlage von J. R. R. Tolkien habe ich alleine in diesem Jahr bereits mindestens sieben Mal gelesen, Tendenz steigend. Drei Wochen habe ich in diesem Jahr ja noch – da geht einiges. Dass Peter Jackson aus diesem mickrigen Kinderbuch mit nicht einmal 400 Seiten ganze drei Filme à drei Stunden macht, das fand ich damals schon sehr mutig. Dafür hagelt es auch von allen Seiten Kritik. Zugegeben, bei einigen Szenen erlauben Jackson und sein Team sich sehr viele künstlerische Freiheiten – aber solange das Ergebnis an sich stimmig ist? Was spricht dagegen?

Die beiden vorangegangenen Teile der Trilogie überzeugten meiner Meinung nach vor allem durch wunderschöne und gestochen scharfe Bilder, einem bombastischen Soundtrack und gut gestreutem Witz. Ähnliches erwarte ich jetzt für den Abschlussfilm. Da Howard Shore wieder für die Musik zuständig ist, habe ich in der Hinsicht keinerlei Bedenken. Der Mann weiß halt, was gefordert ist und liefert grundsätzlich beste Qualität.

Sorgen mache ich mir hingegen bei der weiteren Entwicklung der Story. Peter Jackson ist bereits das ein ums andere Mal von der Vorlage abgewichen, was in den meisten Fällen auch mehr oder weniger elegant gelöst wurde. Die Nebenstory um den Nekromanten ist beispielsweise ganz nett, wenn auch nicht wirklich notwendig. Aber was soll’s? Mehr Tolkien-Lore pro Film! Richtig daneben getroffen hat das Team meiner Meinung nach jedoch mit der Elbin Tauriel. Die sich anbahnende Lovestory ging mir bereits im Kino entschieden gegen den Strich – die Bilder in den Trailern für den letzten Teil der Trilogie machen mir nicht gerade Mut. Meine Hoffnung ist einfach nur, dass Regisseur Peter Jackson den Fokus einmal auf den Kampf mit dem Drachen Smaug und dann auf die entscheidende Schlacht legt. Bloß weg mit der Elbin! Im Buch nehmen die zwei Kämpfe zwar nur einige wenige Seiten ein, Jackson hat aber bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Auf gewaltige Massenszenen versteht er sich bestens. Eine Kinderbuchverfilmung ist sein Werk sowieso schon längst nicht mehr, da darf er auch gerne mit beiden Händen aus dem gesamten Schlachtenrepertoire der Filmgeschichte schöpfen und raushauen was geht.

Aber was auch immer ich im Kino vorgesetzt bekomme, enttäuscht werde ich sicherlich nicht sein. Eher traurig und wehmütig. Nach 13 Jahren Tolkien-Verfilmungen kommt wieder einmal der Abschied – die Hobbit-Trilogie findet ein Ende und ob weitere Werke verfilmt werden, das steht noch in den Sternen.

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.