Ein Appell an die Geruhsamkeit

Über entschleunigte Weihnachten und unterschätzte Backrezepte

Ich liebe Lebkuchen. Nicht dieses Kirmes-Zeug, über und über bedeckt mit kitschigen Zuckerherzen und Schriftzügen. Den ganz simplen Lebkuchen, direkt aus der Packung. Zu kaufen gibt es Lebkuchen in diesem Jahr sicherlich schon seit August. Und das ist nur eine vorsichtige Schätzung. Bisher habe ich mich jedoch recht gut zusammenreißen und der Versuchung widerstehen können: Ich habe dieses Jahr noch keine Packung Lebkuchen gekauft. Das macht mir Hoffnung.

Meine Freundin und ich haben allerdings ein wenig geschummelt. Letzte Woche wollten wir eigentlich Kekse backen. Also wir wollten beide – im Backen bin ich aber nun einmal eine große Niete. Backen sieht bei uns also meist folgendermaßen aus: Wir kaufen gemeinsam ein und danach sitze ich bis zum Ende daneben und freue mich wie ein Dreijähriger auf das Ergebnis. War dieses Mal nicht groß anders, vom Ergebnis waren wir dann aber doch beide etwas überrascht. Kann ja auch niemand wissen, dass ein „Rezept für 40 mittelgroße Herzen“ ganze vier Bleche von „irgendwelche Formen in allen Größen“ ergibt. Daran werde ich noch ewig zu beißen haben…

Vor wenigen Tagen war der 1. Advent, damit beginnt für mich auch offiziell die Einstimmung auf die Weihnachtszeit. Gerne wird Weihnachten ja als eine besinnliche Zeit hingestellt, die man genießen soll. Dass man aber bereits Wochen vorher damit beginnt, von einem Termin zum nächsten zu hetzen, dass vergessen und verdrängen viele. Vor den Feiertagen einkaufen, den Arzt aufsuchen, Geschenke besorgen und verpacken, Haus und Wohnung aufräumen, zum Friseur. Diese und jene Arbeit muss noch unbedingt vor Heiligabend fertig. Dann muss man sich vielleicht auch noch neu einkleiden und rennt direkt wieder in die Stadt. Und dazu kommen noch die unzähligen Weihnachtsfeiern. Kurz: Furchtbar!

Meine lieben Freunde, liebe Leser: Machen Sie doch mal langsam. Entspannen sie sich und genießen Sie die Zeit mit ihren Freunden, Verwandten und Kollegen. Gönnen Sie sich doch einmal einen Witz oder zwei – hat noch nie jemandem geschadet. Oder ein gutes Buch. Oder einfach mal gar nichts tun. Ich bin für eine entschleunigte Weihnachtszeit. Deshalb mache ich jetzt hier Schluss, setze mich mit einer Wagenladung selbstgebackenem Lebkuchen vor den Fernseher, lege die Füße hoch und lasse den Stress mal Stress sein – machen Sie mit? Genug Lebkuchen habe ich.

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.