Ein Leben ohne Weisheitszähne…

…erst einmal: Hunger!

Haben Sie schon einmal unter Einfluss von verschiedenen Schmerzmitteln arbeiten müssen? Oder eine andere Art von Betäubungsmitteln? Ist ein komisches Gefühl. Bei mir wurden zu Beginn der Woche die Weisheitszähne entfernt, gleich alle vier auf einen Schlag. Dementsprechend sieht jetzt mein Gesicht aus, Tabletten und stetiges Kühlen unterbinden die Schmerzen und seitdem plagt mich außerdem ein unfassbarer Hunger.

Ein Leben auf dem Sofa

Die letzten Tage habe ich quasi durchgehend auf dem Sofa verbracht. Von meinem Arzt habe ich eine „kleine“ Liste mit Dingen bekommen, die mir verboten sind: Kein Tabak, kein Alkohol, kein Kaffee, keine Milchprodukte, kein schwarzer Tee, keine Wärme, keine Sonnenbäder, kein Obst und keine Fruchtsäfte. Außerdem soll ich liegende Körperhaltungen und jegliche Art von körperlicher Anstrengung vermeiden. Grundsätzlich wird mir hier jede Form von Spaß untersagt. Naja, auf den Tabak kann ich gut verzichten. Im nächsten Schritt tut sich aber direkt ein wirklich ernstzunehmendes Problem auf.

Hunger zählt für mich als körperliche Anstrengung.

Ich esse gerne. Entsprechend besorgt war ich auch vor dem Eingriff. Mein Arzt beruhigt mich: „Die nächsten 24 Stunden werden Sie sowieso kein Hungergefühl verspüren.“ Genau in dem Augenblick, in dem ich schwer benommen auf meine Freundin gestützt die Arztpraxis verlasse, knurrt mein Magen. Ich habe zwar den Mund voller Blut und Watte, trotzdem denke ich unweigerlich an eine schön saftige Thunfisch-Pizza.

Meine Ernährung besteht seitdem aus dünnen Suppen und Brühen, an kauen ist nicht zu denken. Auch Brei wird mir oft empfohlen. Aber mal ganz ehrlich, das ist alles kein richtiges Essen – satt wird man davon wirklich nicht.

Mein Magen rebelliert

Wie gesagt: Die meiste Zeit liege ich auf dem Sofa. Ich lese, durchstöbere mein Netflix-Abonnement und lasse die Xbox heiß laufen. Mein Hunger scheint aber meine Sinne irgendwie zu manipulieren – verstärkt springt mir überall nur Essen ins Auge. Cornflakes, Pizza, Nudelaufläufe, Fisch, Steaks, Döner, Äpfel… Die Liste nimmt kein Ende. Mein Magen gibt inzwischen recht laute Töne von sich. Er ist nicht zufrieden. Kein Wunder, mein Frühstück besteht aus zwei Tassen dünner Nudelsuppe. Aber wehe, da verfängt sich eine Nudel in den Nähten. Als Nachtisch gibt es außerdem eine große Schüssel Eiswürfel. Wahlweise aus Wasser oder gefrorenem Kamillentee. Bäh.
Aus dem Spiegel begrüßt mich jedes Mal ein Hamster mit einem trägen Grinsen. Er trägt meine Klamotten, meine Brille und steht in meinem Badezimmer! Allmählich frage ich mich, ob die Schmerzmittel mir einen Streich spielen. Wenn der weiter so blöde guckt, dann überlege ich mir das mit der festen Nahrung vielleicht noch einmal…

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.