Grafschaft gegen Emsland – ein Krisenszenario

In Anlehnung an die Rumänienreise von Außenminister Frank-Walter Steinmeier

Ganz grober Schnitzer beim offiziellen Staatsbesuch: Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier war vor einiger Zeit auf diplomatischer Mission zu Gast in Rumänien. Bei einem Empfang zum 135-jährigen Bestehen der Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien wird Steinmeier von seinem rumänischen Kollegen Bogdan Aurescu eine eigens für ihn gedruckte Broschüre überreicht.

Darauf gedruckt sind die Umrisse beider Länder in den jeweiligen Nationalfarben. Dumm nur, dass Deutschland auf der Karte so gar nicht aussieht wie Deutschland. Sondern eher wie Frankreich. Und nicht nur „eher wie“ Frankreich, sondern „genauso“. Steinmeier überspielt den peinlichen Moment staatsmännisch mit einem lockeren Grinsen, in Rumänien ziehen nach seiner Abreise aber kurzzeitig dunkle Wolken auf: Medienberichten zufolge soll die zuständige Mitarbeiterin von Rumäniens Außenminister Aurescu inzwischen gefeuert worden sein. Ganz miese Kiste.

Schon eine witzige Geschichte – aber könnte so etwas auch in der Region passieren?

Unser Szenario:

Beim nächsten offiziellen Besuch von Landrat Friedrich Kethorn in Osnabrück bekommt er von Landrat Michael Lübbersmann eine Urkunde mit den Umrissen beider Landkreise überreicht – nur blöd, denn die Grafschaft Bentheim hat plötzlich die Form vom benachbarten Emsland. Kethorn muss diese krasse Beleidigung erst einmal verdauen, sein emsländischer Amtskollege Reinhard Winter sitzt derweil im Kreishaus in Meppen und muss sich das Lachen verkneifen. Er hat den ganzen Scherz von langer Hand geplant und freut sich wie ein Schuljunge.

Es geht noch weiter…

Beim nächsten offiziellen Treffen von zwei Delegationen der Grafschaft und dem Emsland auf neutralem Boden gab es beim gemeinsamen Dinner einen riesigen Streit – heißt es nun „Kloatscheeten“ oder „Boßeln“?

Es kommt zum Krach, wutentbrannt verlassen die Delegationen den Raum – am nächsten Morgen scheint es nur einen Ausweg zu geben: Krieg. Schluss mit Diplomatie.

Der Grafschafter Krisenstab versammelt sich unter der Führung von Landrat Kethorn im Hochsicherheitskeller und Taktikraum des Kreishauses in Nordhorn. Von Emlichheim bis Neuenhaus werden Kloats in Kanonenkugelgröße geschnitzt und gegossen, während in der Waffenkammer der Burg in Bad Bentheim eine komplette Inventur gemacht wird. Bollerwagen im gesamten Kreisgebiet werden akquiriert und aufgepumpt. Auf dem Isterberg und im Raum der Tillenberge werden erste Truppen bei Geländeübungen gesichtet. In der Eissporthalle in Nordhorn wird sich auf einen möglichen Winterkrieg vorbereitet. Unterdessen prüft das Team des Nordhorner Tierparks um Zoo-Chef Nils Kramer, ob Bisons im Krieg als Reittiere dienen und Erdmännchen emsländische Gebäude unterminieren können. Uelsen, Itterbeck und Wilsum werden zur Kornkammer umfunktioniert und müssen die komplette Versorgung übernehmen, die Züchtung Bentheimer Landschafe wird subventioniert. Borggreve backt extra langhaltenden Spekulatius.

Das Emsland mischt mit

Langsam bemerkt man die Aufrüstung auch im Emsland. Vom Kreishaus Meppen aus schallt der Befehl bis in die letzten Winkel: Die Grafschaft Bentheim macht mobil, wir machen mit. Von nördlichen Rhede bis im südlichen Salzbergen kramen die Bewohner des Emslandes ihre Flinten aus Zeiten des Dreißigjährigen Krieges raus, schärfen Bajonette und Sicheln. Twist, Geeste, Lingen und Emsbüren bilden die Front. Das Kernkraftwerk in Lingen wird unter einem großen Tarnnetz versteckt. Ganz in der Hoffnung, dass es bei einem möglichen Einfall der Grafschafter unentdeckt bleibt. Im Kino Lingen werden den Rekruten Lehrfilme gezeigt, wie man sich im Kampf zu verhalten hat. Aus Papenburg kommt ein Anruf ins Kreishaus, man wolle mit dem Bau von extra großen Luxus-Kriegsschiffen beginnen. Ob der Landkreis nicht ein Vorausteam zum Verbreitern der Ems und der Vechte schicken könne. Landrat Winter legt kopfschüttelnd auf. Scherzkekse, denkt er sich.

Dann endlich ist es soweit: Grafschaft Bentheim und Emsland stehen sich nach langer Vorbereitung gegenüber – jeden Moment kann es losgehen. Die Entscheidung steht bevor: Boßeln oder Kloatscheeten?

Final Showdown!

Es nähern sich zwei Kolonnen, bestehend aus Kutschen, Trecker und Bollerwagen. Eine ist bis obenhin beladen mit Abfüllungen der Firmen Berentzen, Heydt und Rosche. Von der anderen Seite eine ähnliche Fuhre: Grafschafter Wachholder und Korn, Holunder aus Emlichheim, Fässer voller Kupfer, Hellem und Weizen aus dem Brauhaus in der Alten Weberei in Nordhorn.

Die Entscheidung wird vertagt – Prost!

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.