Ich will doch nur schlafen

Nicht ganz so alltägliche Wehwehchen

Hatten Sie schon einmal ein Problem mit der Bandscheibe? Oder generell mit dem Rücken? Statistisch gesehen ist die große Masse der Patienten mit Rückenbeschwerden im Alter von 50 bis 55 – wenn man den von mir gefundenen Statistiken trauen kann. 50 bis 55 Jahre. Das ist für mich schon ein Alter, von dem ich noch lange entfernt bin. Ich zähle gerade einmal 24 Jahre. Und was meinen Sie wohl, womit ich mich seit einigen Tagen herumplage? Genau. Mit einem Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall. Geil!

Ich glänze heute wieder mit Halbwissen: Für mich bedeutet ein Problem mit der Bandscheibe simpel, dass ich mich entweder verhoben oder verlegen habe. In meinem Beruf kommt es  nun wirklich nicht vor, dass ich körperlich anstrengende Arbeiten verrichten muss – ganz egal welcher Art. Bleibt aus meiner Sicht nur eine unglückliche Schlafposition. Das ist dann schon wieder wahrscheinlicher. Trotzdem eine Frechheit. Wie soll ich dem entgegenwirken, wenn ich im Schlaf etwas falsch mache? Muss ich mich jetzt demnächst in der genau richtigen Position festbinden und darf mich nicht rühren? Bin ich wirklich so empfindlich, dass ich mich im Schlaf verletze? Klingt ja lachhaft. Und dafür habe ich als Kind so viel Milch getrunken.

Laut meinem Arzt soll ich nicht zu viel Zeit am Schreibtisch verbringen. Und wenn doch, dann soll ich gerade sitzen. Sonst lungere ich eher herum. Manchmal liege ich fast auf meinem Schreibtischstuhl. Wie? Keine Ahnung. Ehrlich. Ich rutsche einfach. Laut meinem Arzt soll ich auch nicht zu viel Zeit auf dem Sofa verbringen. Und wenn doch, dann soll ich gerade sitzen. Schon einmal gerade auf einem Sofa gesessen? Kann ich mir ja gleich einen Stuhl holen. Die empfohlene Schlafposition ist eine halbe Fötus-Haltung. Allerdings auch nur eine halbe. Ich liege im Bett, muss mich auf die Seite drehen. Der Rücken bleibt gerade, die Beine sind in einem 90 Grad-Winkel angelegt. Oberkörper und Oberschenkel: 90 Grad zueinander. Ober- und Unterschenkel: 90 Grad zueinander. Diese Haltung ist nicht nur furchtbar unbequem, sie erlaubt auch keinen Schlaf. Und ich will doch nur schlafen.

Laut einer Studie des britischen Humanforschers Chris Idzikowski schlafen 41 Prozent der Probanden in der „Fötus-Haltung“. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Bevorzuge ich diese Schlafposition, dann gelte ich als sensibel, eher schüchtern. Aber immerhin packe ich gerne zu – weiß der Geier. Idzikowski ist vor allem (oder eigentlich nur) für seine Forschungen im Bereich „Schlafen“ bekannt. Wobei „bekannt“ natürlich auch wieder ein relativer Begriff ist. Ich kannte den Mann nicht, bevor ich nicht für diese Kolumne recherchiert habe. Hoffe allerdings, dass er weiß wovon er spricht. Er hat mindestens zehn Bücher nur über „Schlafen“ verfasst. ZEHN! Ich habe von meinem ersten Buch gerade das erste Kapitel begonnen – vor einem halben Jahr.

 

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.