Jeder hat etwas, das ihn antreibt

Manchmal hat die Werbung Recht

„Die Arbeit macht keinen Spaß“, „Mein Job nervt mich“, „Ich bin unzufrieden…“ Die Liste ist endlos lang und wird in absehbarer Zeit wohl auch nicht kürzer. Wieso höre ich das ständig? Egal, ob ich in der Stadt im Café sitze, im Bus oder der Bahn oder beim Einkaufen. Ständig und überall beschweren meine Mitmenschen sich über ihren Job – aber woran liegt das?

Natürlich ändern sich Interessen mit der Zeit. Das verstehe ich, wirklich. Wenn ich heute Waschmaschinen verkaufe, dann kann ich sicher nicht wissen, ob ich in zehn Jahren nicht doch lieber Kühlschränke an den Mann bringe. Oder Schlittenhunde in irgendwelchen kalten Ländern ausbilden und dabei dicke Handschuhe tragen. Für mich ist es immer wieder eine Überraschung, dass sich berufliche Interessen so stark ändern können. Ich für meinen Teil bin zufrieden mit meinem Job. Also mit meinem richtigen Job. Mein Nebenjob ist nun ehrlich gesagt auch nicht so mein Fall – aber deshalb ist es ja auch nur ein Nebenjob. Selten habe ich aber in etwas so viel Spaß und Erfüllung gefunden, wie in meinem Beruf als Schreiberling. Und deshalb kann ich Jürgen Klopp auch zustimmen, wenn er mir in seinem vorgeschriebenen Monolog aus der Volksbank-Werbung sagt: „Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt.“

Wenn ich im Gespräch erwähne, dass ich Texter bin, dann werde ich oft erst einmal belächelt – aber ganz ehrlich, das juckt mich nicht. Dann denke ich einfach daran, dass mein Gegenüber vielleicht jeden Morgen gegen 7 Uhr in einem mies beleuchteten und noch schlechter klimatisiertem Büro sitzt oder an einer zugigen Produktionslinie steht und tagein, tagaus Nieten ins Metall ballert und dabei die Stunden zählt, bis endlich Feierabend ist und man sich mit seinen Kollegen an der Stempeluhr in die Schlange einreiht. Mein Tagesablauf sieht da ganz anders aus. Wenn mir nicht nach Arbeiten am frühen Morgen ist, dann kann ich auch erst in Ruhe frühstücken. Oder zum Sport. Oder mit einem guten Buch aufs Sofa. Oder die Konsole einschalten und in „Halo“ ein paar Covenant-Aliens mit einem Sturmgewehr zum Teufel jagen. Zu speziell? Wie wäre es dann einfach mit weiterschlafen? Die lange Schlaferei habe ich mir aber inzwischen größtenteils abgewöhnt. Meine Arbeitszeiten muss ich nicht anhand einer elektronischen Stempeluhr kontrollieren lassen und rechtfertigen, ich verfüge frei über meine Arbeitszeit. Und vor allem sitzt mir kein ärgerlicher Chef mit Drohgebärde im Nacken.

Wenn ich mich an den Schreibtisch setze und die Musik so laut aufdrehe, dass ich das „Klick-Klack“ meiner Finger auf der Tastatur gerade noch so höre, dann vergeht die Zeit. Das Drumherum wird ausgeblendet und für mich gibt es nur den gerade entstehenden Text – die Wörter fließen durch meine Finger in die Tastatur und von dort auf den Bildschirm und bilden Sätze. Ein wahnsinniges Gefühl, wenn am Ende des Tages ein zufriedenstellendes Ergebnis dabei herauskommt. Ob Kolumnen, mehr oder weniger wissenschaftliche Essays, Pressemitteilungen oder Briefe; ich bin froh, wenn ich etwas zu texten habe. So wie jetzt – ein wunderbares Gefühl!

Aber den gleichen Spaß hatten andere bestimmt auch schon. Der Trick dabei ist wohl, sich den Spaß nicht vermiesen zu lassen. Ich für meinen Teil, ich lasse es auf mich zu kommen – aber nur solange es Spaß macht. Und deshalb ist der Titel für mich auch nicht nur ein lahmer Spruch aus der Werbung.

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.