Kalt? Probier’s mal mit Gemütlichkeit!

Einmal Winter, kalt, zum Mitnehmen, bitte.

Langsam wird es draußen kälter, die Tage werden kürzer. Morgens und abends muss ich das Licht am Fahrrad oder Auto anschalten. Die Leute holen ihre Winterkleidung hervor und beginnen wieder einmal, sich in Schicht um Schicht von wärmendem Stoff zu wickeln. Abends gibt es warmen Kakao und Kekse und alles ist gut. Könnte meinetwegen das ganze Jahr über so sein.

Was mir jetzt noch zu meinem Glück fehlt, das ist eine gehörige Portion Schnee und zugefrorene Kanäle, Flüsse und Seen. Die glatten Straßen müssen zwar nicht unbedingt sein, nehme ich aber trotzdem gerne in Kauf, bleibe ich halt in der Zeit drin. Ist sowieso eine super Begründung: Draußen ist es sau gefährlich, ich kann also im warmen Haus bleiben und mich ganz sicher auf meinem Sofa vor den Fernseher fläzen. Viel mehr als leichte Verbrennungen vom Kakao kann ich mir da nicht zuziehen.

Wenn ich im Gespräch allerdings erwähne, dass ich lieber einen eiskalten Winter als einen eklig-warmen Sommer erlebe, werde ich direkt schief angeschaut – die „Ketzer, verbrennt ihn!“-Rufe halten die meisten Menschen nur mit Mühe zurück und warten glücklicherweise oft gerade nur so lange ab, bis ich hinter das nächste Sofa geflüchtet bin. Aber sehen wir es doch mal logisch: Im Winter ist es kalt. Wunderbar kalt. Gegen die Kälte kann ich mich vorbereiten. Dafür haben wir Menschen herrliche Dinge wie Kleidung erfunden. Mützen, Schals, Handschuhe, Winterstiefel und –Schuhe, Hosen, Pullover und dicke Jacken. Es gibt nahezu keine Grenze nach oben, ich kann mich wie eine Zwiebel in immer mehr Lagen Stoff wickeln. Genau mein Ding! Im Sommer hingegen ist es heiß. Sehr heiß. Zur Arbeit kann ich leider nicht immer in kurzer Hose und T-Shirt erscheinen. Geht einfach nicht in jedem Beruf, das ist nun mal unser Deutschland und das haben wir uns so ausgesucht. Es ist mir also nur möglich eine bestimmte Menge X an Kleidungsstücken abzulegen, bevor es für mich und mein Umfeld unangenehm wird. Dann treten die Männer mit dem blauen Licht und den Friedensprügeln auf den Plan und ich darf Geld bezahlen.

Wieso sind meine Mitmenschen also mit dem Winter so unglücklich? Es ist ja nun auch nicht so, dass wir in Norddeutschland Jahr für Jahr regelmäßig eine neue Eiszeit erleben. Wobei die immer wieder knappen Streusalz-Vorräte auf etwas anderes hindeuten. Das ist aber ein anderes Thema. Ich weiß ja, dass die Streudienste sich die beste Mühe geben.

Jeden Winter benehmen sich aber manche Leute so, als würde die Sonne nie wieder aufgehen und wir müssten alle elendiglich erfrieren. Da die Serie „House of Cards“ mit ihrer dritten Staffel noch auf sich warten lässt, habe ich mich mal an „Vikings“ versucht. Und ich kann ihnen sagen: Die haben sicherlich kältere Winter und mehr Grund zum Jammern. Hierzulande trägt eh jeder zweite eine unfassbar teure „Jack Wolfskin“-Jacke – soll ich ihnen mal was verraten? Die tragen Wölfe!

Also, meine lieben Mitbürger: Ertragt den kommenden Winter mit ein bisschen mehr Ruhe und Gelassenheit. Macht es euch zuhause gemütlich und packt euch draußen warm ein. Fahrt vorsichtig, denkt an eure Mitmenschen. Geht mal raus und baut einen Schneemann. Dann wird alles gut. Und im Frühling ist es ja auch schon bald wieder soweit und die ersten Blumen strecken ihre Köpfe vorsichtig in die klare Luft.

Den Tipp mit der Gemütlichkeit, den habe ich übrigens von einem beliebten und singenden Bären entliehen – der möchte den Wikingern sicherlich auch nicht begegnen.

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.