retype: 300 von Zack Snyder

Tiefe Löcher und Aufgaben von Vätern

Ich habe mir letztens zum x-ten Mal den Film „300“ von Zack Snyder angesehen. Ein Film voller imposanter Bilder von gewaltigen Schlachten, unglaublich potenten Kerlen und ein paar hübschen Frauen – kurz: der Streifen strotzt nur so vor Männlichkeit. Der Film läuft quasi über vor lauter Männlichkeit in Lendenschurzen. Allerdings stellen sich mir an ein paar Stellen immer die gleichen Fragen. Erläutern wir kurz zwei davon.

  • Sparta ist ein Teil Griechenlands in dem scheinbar alle unglaublich gut gebaut sind und wenigstens 24/7 für den Kampf trainieren. Das fängt an, sobald man laufen kann und hört auf, sobald man nicht mehr laufen kann. Ihr König ist natürlich der potenteste Macker von allen. Ist ja im Grunde auch alles nicht so verwerflich, aber wie kann es da sein, dass diesem Volk ein Sohn geboren wird, der nicht nur unglaublich missgestaltet und hässlich ist, nein, er ist auch noch unglaublich schnell beleidigt und verrät sein ganzes Volk deshalb für ein paar neue Pullover und eine Frau. Okay, wenn drei Frauen und wenigstens vier Tiger drin gewesen wären… Aber was soll man mit drei Frauen?
  • Spartas Hauptstadt ist Sparta. Zumindest für uns, eigentlich hieß Sparta nicht Sparta sondern Lakedo. Keine Ahnung wie genau. Jedenfalls irgendwas mit „L“. Und im Film sieht Sparta auch ganz schön aus, überall schöne Ziegelhäuser, weite Arkadengänge und natürlich überall die Säulen. Alles läuft geordnet ab, nirgends wurde sinnlos ein Gebäude hingesetzt. Ein perfekter Ort für die spartanischen Geburtsmaschinen, um noch mehr von diesen echten Kerlen zu werfen. Jedenfalls ist der komplette Aufbau der Stadt optimiert. Naja, gut. Nicht die ganze Stadt. Mitten auf dem großen Platz ist ein unsagbar tiefes Loch. Es ist nicht nur tief, sondern sehr tief. Oder eher unglaublich tief. Und es ist nicht nur hyper-tief, nein, es ist auch übertrieben nutzlos. Es war bestimmt nicht wirklich leicht, dieses tiefe Loch zu buddeln. Es war bestimmt auch nicht leicht, dieses tiefe Loch mit Steinen, Ziegeln, Fliesen oder womit auch immer zu verkleiden, dass es so ein schönes tiefes Loch mit glatten Wänden ist. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass es tief ist? Jedenfalls ist da mitten in der Stadt dieses tiefe Loch ohne jegliche Absperrung und mir ist die Aufgabe dieses Loches noch nicht ganz klar. Ist es ein Brunnen? Aber wieso zieht man nicht eine Mauer drum herum? Sonst rollt doch sicherlich mal der ein oder andere da rein. Nein, ein Brunnen kann es nicht sein, dann hätte Leonidas ja sicherlich nicht die bösen Jungs aus Persien da herein getreten – wer will denn sonst noch das Wasser trinken? Obwohl das den Spartanern sicherlich nichts ausgemacht hätte. Die würden da sicherlich voll drauf abfahren. Die Funktion bleibt also ungeklärt.

Sieht man von diesen Fragen einmal ab, ist der Film ein Paradebeispiel purer Männlichkeit. Aber das habe ich ja bereits mehrfach gesagt. Früher zogen Väter mit ihrem Sohn los, um das nächste Dorf zu überfallen, ein wenig zu rauben, morden und plündern. Halt das, was man früher so getan hat, um aus seinem Sohn einen echten Kerl zu machen. Andere Väter kaufen ihrem Sohn eine Frau, die zeigt ihm dann, wie es läuft und wieder ist ein neuer Kerl geschaffen. Das ist allerdings nicht mehr zeitgemäß.

Heute guckt „Mann“ mit seinem Kind einfach 300 und fertig. Wenn der Junge danach nicht erwachsen ist, wird er es niemals. Dann ist das Kind für immer verloren und endet als altes, fieses und notgeiles Orakel auf irgendeinem verschissenen Berg, umgeben von noch mehr Versagern. Oder es wird Politiker, aber da tut sich ja nicht viel. Eigentlich unterscheidet die nur der Berg.

 

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.

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