SebCheck: Pokémon Go

Pokémon auf den Handys – Menschen auf den Straßen

Kaum veröffentlicht Niantic in Kooperation mit der Pokémon Company das Smartphone-Spiel Pokémon Go, schon geht eine Welle um die Welt – alle spielen mit, alle können Pokémon fangen. Alle, außer Deutschland. Während der Rest der Welt unterwegs ist, um in den Städten und Dörfern aller Länder ein eigenes Pikachu oder gleich ein Glurak mit rot-weißen Bällen zu bewerfen. Nur wir, wir sitzen hier. Theoretisch.

Was ist passiert? Wo bleibt Deutschland?

Es gibt eine ganz einfache Erklärung: Die Entwickler haben diesen unaufhaltbaren Ansturm nicht kommen sehen. Die Server knicken direkt ein und der weltweite Release wird verschoben. Trotzdem gibt es Hoffnung – für Android-Geräte taucht innerhalb kürzester Zeit eine installierbare Version außerhalb des Playstores von Google auf. iOS-Nutzer können sich beispielsweise über den australischen AppStore ihren Zugang verschaffen. Der Markt boomt.

Auch bei uns – über meinen hochoffiziellen australischen Zweitwohnsitz in Australien kann ich mir eine Apple-ID erstellen und loslegen. Leider sind die Server wirklich vollkommen überfordert. Regelmäßige Abstürze, Signalverluste und eine ganze Menge Wutanfälle später kann ich jedoch sagen: Ich bin Pokémon-Trainer – und ich werde der Allerbeste sein!

Alle machen mit – endlich!

Naja. Zumindest werde ich Pokémon-Trainer sein. Beim Gang durch die Stadt treffe ich auf wenigstens 20 andere Trainer, die (mit Smartphone und Powerbank bewaffnet) durch die Gegend ziehen. Wir grinsen uns zu, grüßen einander und haben ganz viel Spaß. Wir könnten richtig dicke Freunde sein – wären sie nicht allesamt Mitglieder eines anderen Teams. Also hasse ich sie prinzipiell. Leider gibt es bisher kein richtiges Kampfsystem, sonst würde ich jeden einzelnen zum Duell fordern. Team Blau ist der Hit!

Wir stellen fest: Pokémon Go ist eine starke App, die nicht nur unheimlich viel Akku, sondern auch noch viel mehr Zeit frisst. Dabei aber eine große Portion Spaß mit sich bringt. Inzwischen brauche ich auch meinen australischen Wohnsitz nicht mehr, auch der deutsche AppStore hat Pokémon Go vorrätig.

Und was habe ich davon?

Ja, was habe ich davon. In den vergangenen Tagen bin ich quer durch meine Heimatstadt gelaufen, habe dabei Orte und Dinge gesehen, von denen ich nichts wusste. Und überall begegnet man Mitspielern aller Altersklassen. Von Grundschülern, über Azubis bis zu einer recht hochbetagten alten Dame, die gemächlich durch die Gegend zockelt und kleine Pokémon fängt.

Noch nie hat mir ein Spiel auf dem Smartphone so viel Spaß gemacht. Meist ist schon nach wenigen Minuten oder Stunden die Luft raus und es wird schnell wieder von der Platine gelöscht. Aber bisher stellt sich dieses Gefühl der Langeweile gar nicht ein.

Ich bin gespannt!

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.