sebdenkt: Manchmal kommt es doch anders…

Über bartlose Weihnachten und schockierende Rasuren

Ich besitze eine ganze Menge Schuhe. Das mag jetzt komisch klingen, immerhin geht das Klischee in Richtung „Mann = ein Paar Schuhe; Frau = ein IKEA-Lager innerhalb eines Amazon-Zentrums voller Schuhe und noch drei Pakete in der Post“. Wer mich etwas besser oder auch nur vom Sehen her kennt, der weiß, dass ich ein Kerl bin und seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich Bart trage. Egal, ob lang oder kurz, dicht oder ausgedünnt: Bart muss dran. Und Bart ist noch immer ein deutliches Zeichen für Mann.

Zuletzt ganz ohne Behaarung im Gesicht war ich an Weihnachten im Jahr 2010. Das war allerdings auch ein krasses Versehen. Seit sehr langer Zeit benutze ich einen alten und abgenutzten Bartschneider. Er war günstig und kann per Aufsatz und einem kleinen Rad auf verschiedene Längen gestellt werden. Sehr simpel und sehr effektiv. Sehr uneffektiv ist die ganze Angelegenheit jedoch wenn der Aufsatz vergessen wird. Da nutzt auch wildes Drehen nicht. Am besagten Weihnachtsmorgen im Dezember des Jahres 2010 stand ich im Badezimmer vor dem Spiegel, den Schlaf noch in den Augen und mit den Gedanken eher beim abendlichen Schnitzel- und Kartoffelsalatgelage. Eigentlich hätte mir eher auffallen sollen, dass sich im Waschbecken mehr (und vor allem längere) Haare sammelten, als gewöhnlich. Schnitzel haben leider schon immer eine besondere Wirkung auf mich gehabt. Jammern nützt niemandem etwas, mir blieb keine Wahl: Auch der Rest vom Bart muss ab. Und das per Nassrasur. Aus dem Spiegel blickte mir jemand entgegen, den man am besten als Charlie Brown mit Brille beschreiben kann. Bei den Peanuts wollte ich allerdings nie mitspielen.

Inzwischen hat mein Rasierer zwei störende Angewohnheiten entwickelt. Wenn ich es sowieso schon eilig habe und einen ordentlich gepflegten Bart benötige (Oh ja, auch das kommt ab und an vor!), dann gibt der elektrische Held mit einer angepriesenen Akku-Lebenszeit von bis zu zehn (10!) Jahren mittendrin den Geist auf. Einfach so. Schließe ich ihn dann per Ladekabel an die Steckdose, bedankt er sich während der Rasur mit mehr oder weniger regelmäßigen Stromschlägen. Es ist wirklich nicht sonderlich erfreulich, wenn an einer komplizierten Partie wie dem Kinn ein mittelgroßer Stromschock mit der gefühlten Stärke eines „Jurassic Park“-Zauns durch den Arm fährt. Er hat gerade einmal fünf Jahre in meinem Besitz verbracht, somit würde er viel zu früh aus meinem Leben scheiden. Nach der Geschichte damals an Weihnachten jedoch vielleicht kein allzu tragischer Verlust…

Es nützt alles nichts, ein neues Gerät muss her. Nach einer wirklich äußerst umfangreichen Recherche in bekannten Rasierer-Foren und Bart-Communities ist der Fall klar: Ich habe keinen blassen Schimmer. Entscheide ich mich für einen klassischen Bartschneider mit Aufsätzen und zwei querlaufenden Sägemessern? Oder doch lieber für einen richtigen Rasierer mit drei frei beweglichen und entgegengesetzt rotierenden Klingen? Der Rasierer macht es sicherlich leichter und angenehmer, die schwierigen Stellen an Kinn und Hals zu erreichen. Sollte der Bartschneider aber dieses Mal länger halten, dann habe ich auch im Alter etwas davon. Angeblich sollen die ganz klasse sein, wenn man sich damit die Haare auf dem Kopf schneiden möchte – das lockt den jungen Kunden!

Ich merke, ich schweife ab. Eigentlich wollte ich irgendwas über Schuhe erzählen, jedoch ist meine Wort-Vorgabe bereits erreicht. Vielleicht beim nächsten Mal. Allerdings besitze ich auch viele Jacken…

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.