Und saisonal grüßt der Reifenwechsel…

Kurz vorab – bei diesem Text handelt es sich um einen Auszug aus meinem Buch „Nimm dir fünf Minuten„, entsprechend alt sind manche Angaben natürlich.

Über störrige Schrauben, Vergesslichkeit und unsinnige Ängste

Der Dezember naht, eigentlich ist der Sommer schon lange vorbei und wir befinden uns angeblich mitten im Herbst. So richtig glaube ich das zwar noch nicht, aber Google sagt das. Als Autofahrer bedeutet das: Sommerreifen runter, Winterschlappen drauf. Und dann angstvoll bangen, dass das Wetter nicht wieder umschlägt. In meinem Bekanntenkreis fährt ein Großteil inzwischen auf Allwetterreifen oder lässt sich die Bereifung stressfrei vom Fachmann wechseln. Leider fahre ich eine stinkige alte Mistkutsche und muss zu jeder Saison die passenden Reifen aufziehen. Und da ich ein ewiger Geizhals bin, mache ich das natürlich auch selbst.

Reifen wechseln kann ich

Generell bin ich handwerklich recht unbegabt. Und von Autos habe ich sowieso gar keine Ahnung. Ich kann damit fahren, sie betanken, Flüssigkeiten nachfüllen, neue Scheibenwischer anbringen und wenn ich lustig bin, dann konnte ich bei meinem alten Corsa sogar die H7 austauschen. Naja, und die Reifen kann ich halt wechseln.

Der Reifenwechsel an sich ist grundsätzlich auch keine große Sache. Auto auf die Einfahrt, Räder vom Reifenbaum auf dem Dachboden nach unten schleppen, Wagenheber und Schlagschrauber mit Kabeltrommel raus – mehr braucht es eigentlich nicht. Allerdings begegne ich Jahr für Jahr den gleichen Problemen.

Vier Probleme

Problem 1: Welcher Reifen gehört wohin? Früher habe ich jedes Rad einzeln mit Kreide markiert, inzwischen besitze ich kleine Plastik-Noppen für die Ventile. Eine denkbar einfache Lösung – unnötig problematisch wird es hier wirklich nur, wenn ich wieder einmal vergessen habe, welches System dahinter steckt: Gibt die Markierung auf dem Reifen nun an, wo am Auto dieser Reifen vor dem letzten Wechsel zuletzt angebracht war? Oder genau andersherum? Ich kann es mir einfach nicht merken. Nachdem ich es das letzte Mal vergessen habe, habe ich mir extra einen kleinen Zettel zur Erinnerung geschrieben. Diese Notiz ist selbstverständlich nicht mehr aufzufinden. Wahrscheinlich liegt sie irgendwo auf meinem Schreibtisch neben den anderen höchst wichtigen Unterlagen. Ihr erinnert euch sicher noch – dieses spontan ausbrechende Chaos auf meinem Arbeitstisch ist der pure Wahnsinn.

Problem 2: Eigentlich kein richtiges Problem, eher eine Sorge. Ich setze den Wagenheber an, das Auto bewegt sich langsam in die Höhe. Obwohl ich es bereits dutzende Male gemacht habe, irgendwie beschleicht mich bei jedem Mal die gleiche unsinnige und unbegründete Angst: Habe ich den Heber richtig angesetzt, drückt der mir nicht gleich durch den Autoboden? Ist bei mir zwar noch nie vorgekommen, aber aus irgendeinem Grund schießt mir dieser Gedanke in den Kopf. Ich will halt bei regnerischem Wetter und Schnee keine nassen Füße kriegen.

Problem 3: Trotz des alljährlichen Einsatzes eines Schlagschraubers wollen sich manche Schrauben auf Biegen und Brechen einfach nicht bewegen. Mehrmals wird die Maschine angesetzt, auch das Radkreuz bringt kein Ergebnis: Die Dinger sitzen fest. Nach mehrmaligem Fluchen, Rucken und nochmaligem Fluchen bewegen die Schrauben sich plötzlich fast wie von selbst. Da stimmt doch was nicht. Und nein, das Ding dreht richtig herum.

Problem 4: Die ersten drei Räder sind ausgetauscht, jetzt geht es dem Reifen vorne rechts an den Kragen. Hier lösen sich die Schrauben dank Schlagschrauber binnen weniger Sekunden, kein Problem. Allerdings sitzt das Rad hier jedes Mal wieder so unfassbar fest, das ist inzwischen nicht mehr feierlich. Meist brauche ich für diesen letzten Schlappen in etwa so viel Zeit, wie für die drei anderen Reifen zusammen.

Trotz dieser kleinen Schwierigkeiten ist es nach nicht allzu langer Zeit auch bald geschafft, dann habe ich vorerst wieder für ein knappes halbes Jahr meine Ruhe. Und wer weiß? Vielleicht fahre ich ja auch bald auf diesen schönen Allwetterreifen.
Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt…

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.