Valentinstag – ein Schlag ins Gesicht

Kommerz wird eh groß geschrieben

Am 14. Februar ist Valentinstag. Ein Tag voller Romantik und Zweisamkeit. Rosen, Herzchenkissen und Pralinen sind bereits Wochen im Voraus ausverkauft. Ob das bei Rosen wirklich Sinn macht, das wage ich an dieser Stelle sehr stark zu bezweifeln.

„Hier Schatz, diesen Strauß roter Rosen habe ich bereits im Oktober für dich gekauft – war der nicht mal schön?!“

Restaurants, Cafés und Bars haben Hochkonjunktur, alle Tische sind längst reserviert. Selbst Uwe, der Wirt meiner alten Stammkneipe um die Ecke spült für diesen Tag ausnahmsweise die Gläser einmal mit dem neuen Lappen, vielleicht wechselt er sogar das alte Spülwasser. Den Lappen hatte ich ihm damals vor fünf Jahren geschenkt. Damals hatten er und seine Frau Erna es mit viel Kraft und Fettlöser endlich geschafft, die alten Barhocker vom versifften Boden zu lösen und gegen neue Modelle zu tauschen. Zur Feier des Tages habe ich ihm den Lappen geschenkt. Zurück zum Valentinstag: Der 14. Februar ist ein amtlicher Schlag in die Fresse von alleinstehenden Männern und Frauen, Jungs und Mädchen.

Man merkt, ich mag den Valentinstag nicht.

Im englischen Sprachraum hat sich der Valentinstag durch ein Gedicht verbreitet – leider von einem Dichter, von dem ich ansonsten sehr viel halte: Geoffrey Chaucer. Eigentlich bin ich ein recht großer Fan von Chaucer, seine „Canterbury Tales“ habe ich noch immer zuhause im Bücherregal stehen. Von England aus wandert die Idee mit den Rosen, Pralinen und sonstigem Gerümpel über den großen Teich nach Amerika. Hier blüht der ganze Mist noch einmal so richtig auf. Geld für unnötigen Kram haben die US-Amerikaner ja bekanntlich zuhauf.

Danke, Amerika

In Deutschland war der Valentinstag erfreulicherweise nie ein großes Ding – bis die amerikanischen Soldaten die ganze Scheiße nach dem Zweiten Weltkrieg wie eine Pestepidemie mit eingeschleppt haben. Besetzung schön und gut, kann ich nachvollziehen. Aber uns langfristig und nachhaltig mit so einer miesen Plage zu überziehen? Ihr verdammten Diener des Kommerzes, ihr Light-Bier-trinkenden Penner.

Alternativen? Gibt es zuhauf

Grundsätzlich kann ich die Idee hinter so einem Tag ja nachvollziehen: Man pickt sich einen einzelnen Tag heraus und verbringt den mit seinem Partner. Man nimmt sich die Zeit, die man sonst vielleicht nicht unbedingt hat. Man genießt einfach nur. Aber wieso verdammt nochmal muss das dann direkt so durchkommerzialisiert werden? Wieso reicht nicht einfach ein liebevoll mit Zwiebeln bestreutes Mettbrötchen ans Bett? Ein kaltes Weizen auf dem Sofa? Eine „Schön, dass du noch nicht abgehauen bist“-Karte?

Für alleinstehende Männer und Frauen gibt es aber glücklicherweise noch andere Gründe zur Freude: Wenn Sie an diesem seltsamen Tag auch unbedingt einen Grund zum Feiern brauchen, dann hat die Welt vorgesorgt. In Irland gibt es den „Nichtrauchertag“, in den USA ist parallel „Tag des Riesenrads“ – und mein Favorit: Der internationale „Verschenk-ein-Buch-Tag“.

Ich werde den Abend jedenfalls mit einem kühlen Bier bei Uwe und Erna verbringen. Vielleicht möchte meine Freundin ja mit.

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.