Wenn die Nachbarn dreimal klingeln

Geburtstage altern mit

Geburtstage sind eine schöne Sache. Man feiert, dass man wieder ein Jahr in seinem Leben erfolgreich abgeschlossen hat. Man wird älter, reifer, weiser. Zumindest älter.

Die Art und Weise, wie man seinen Geburtstag begeht, wechselt im Laufe der Zeit. Während man als Baby und Kleinkind den größten Teil des Tages verpennt oder heult, wird man von den angereisten Tanten, Onkels, Omas, Opas, Cousins und Cousinen von Arm zu Arm gereicht und ausgiebig begutachtet. Dabei merkt man gar nicht, dass man mit Geschenken überhäuft wird. Im Ernst: Meine Nichte und Neffen bekommen zu ihrem Wiegenfest Mal auf Mal ganze Wagenladungen mit Spielsachen, Klamotten, Süßigkeiten. Was ist denn, wenn man sein Kind darin mal verliert? Wenn man nach dem Gang von der Papiertonne merkt – „Moooment. Wieso ist das hier so ruhig?“ Schon einmal daran gedacht? Jetzt schon.

Mit zunehmendem Alter genießt man den Tag sichtlich mehr. Man realisiert, dass der Geburtstag gutes Essen, viel Besuch und noch mehr Geschenke bedeutet. Die Eltern haben zwar Stress, aber das ist ja nicht mein Problem. Ich habe heute nur einen Job: Geschenke! Vorbereiten, aufräumen, kochen, backen und hinterher wieder aufräumen können die anderen. Ist ja nicht mein Haus.

Geburtstage altern mit: Irgendwann wird der Besuch am Geburtstag selbst weniger. Man muss ja auch arbeiten und die Freunde haben oft nur am Wochenende Zeit. Dann verlagert sich das Ganze ein wenig in Richtung Freitag oder Samstag, meist gegen Abend und dann bis in die Nacht. In manchen Fällen auch bis zum nächsten Tag. Häufig klingeln dann die Nachbarn. Die wollen allerdings nicht zwingend gratulieren. Auch nicht mitfeiern.

Statt Kaffee gibt es Bier, auch der Kuchen wird schnell durch Bier ersetzt. Tee? Keine Sorge. Dafür gibt es Schnaps. Wobei wir im letzten Winter doch noch Verwendung für die alten und unbenutzten Teebeutel im Schrank gefunden haben: Trum. Die Trum-Saison geht von September bis September, bevorzugt jedoch an kalten Tagen.

Für einen Trum benötigt man folgende Zutaten: Einen Wasserkocher, Wasser, Teebeutel, Tassen, Rum und (je nach Bedarf) Zucker. Mehr nicht. Wärmt so richtig schön von innen durch, schmeckt aber dafür auch wahnsinnig gar nicht. Aber dem kann man ja mit Zucker Abhilfe schaffen. Und nach drei Bechern ist die Sache eh egal – da ist man froh, wenn man sitzen kann.

Ich würde jetzt gerne den Bogen zurück zum Geburtstag spannen, allerdings habe ich vollkommen den Faden verloren. Deshalb schreibe ich jetzt über meinen Textmarker. Ganz im Ernst: Für ein Projekt muss ich eine ganze Menge Text sichten, sortieren und filtern. Da ist ein Textmarker generell praktisch. In der Schule und im Studium konnte ich damit nie wirklich etwas anfangen – jetzt will ich es nutzen!

Auf, neben und unter meinen Schreibtisch stapeln sich inzwischen sechs große Aktenordner, allesamt voll mit Drucksachen. Ich schätze es sind ungefähr 2.500 Blatt Papier in diesen Ordnern. Ich habe insgesamt vier Marker, gehe aber davon aus, dass ich nur einen davon benötige – immerhin müssen auf jeder Seite nur ein bis vier knappe Striche gezogen werden.  Rein theoretisch habe ich also drei auf Vorrat. NICHTS DA! Der erste Ordner ist halb durchgearbeitet, plötzlich gibt der Marker beim „marken“ seltsame Kratzgeräusche von sich – der wird doch wohl nicht schon aufgebraucht sein? Doch. Ist er. Der Sack. Marker Nummer zwei ist an der Reihe. Soll er mal zeigen, was er kann. Es dauert einige Tage, dann ist der Papierstapel durchgearbeitet. Auf dem Tisch liegen vier, bis auf den letzten Tropfen Farbe ausgenutzte, Textmarker. Die letzten 1.500 Blatt musste ich ständig wechseln, damit die Stifte sich erholen können. So ein Dreck. Wie soll ich denn so arbeiten?!

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.