Wissenschaftliches Arbeiten im Studium

Oder: „Wie man es nicht machen sollte“

Wissenschaftliches Arbeiten ist echt nicht mein Fall. Eigenständigkeit? Kein Problem. Aber wissenschaftlich? Als studierter Politikwissenschaftler sollte man normalerweise auch das Gesamtpaket beherrschen. Allerdings haben meine Professoren nie so recht mitbekommen, dass ich nicht so richtig wissenschaftlich schreibe.

Zum Studium an sich: Ich habe mich damals nach dem erfolgreichen Schulabschluss mit dem Abitur für einen Zweifach-Bachelor Volkswirtschaftslehre und Philosophie eingetragen. Wieso Philosophie? Ich brauchte ein Nebenfach und das erschien mir irgendwie passend. Klingt doof, war aber echt so. Leider war VWL unfassbar langweilig, philosophieren sah im Fernsehen irgendwie auch besser aus. Also weg damit. Der Wechsel in die Politikwissenschaft war klasse; wenige Klausuren, dafür aber massig Hausarbeiten. Sehr viel Textarbeit. Genau mein Ding. Sehr geil!

In meinem dritten Semester habe ich beispielsweise eine Abhandlung über die deutsche Energiepolitik geschrieben. Dabei ging es um den Fortschritt der Entwicklung und Erforschung von erneuerbaren Energien unter der politischen Führung der Regierung „Angela Merkel“. War eigentlich gar nicht so trocken, wie es sich liest. Die Arbeit habe ich jedenfalls in wenigen Tagen zusammengezimmert, mein Wissen habe ich mir praktisch über Nacht in den Weiten des Internets und ähnlichen Quellen angeeignet.

Damit habe ich gegen ungefähr alle Vorgaben für effektives wissenschaftliches Arbeiten verstoßen. Meine Themensuche war eigentlich keine Suche. Ich habe schlichtweg vergessen mich für die interessanten Themen einzutragen, nur die Energiepolitik blieb übrig. Ich habe also keine Wahl. Materialsuche: Quelle Internet. Und ein ganzer Batzen von offiziellen Papieren vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dazu Drucksachen aus dem deutschen Bundestag. Das Material wurde beim Schreibvorgang ausgewertet und direkt in den Text verbaut und nicht vorher ordentlich kleingelesen und die brauchbaren Informationen herausgefiltert. Die Gliederung der Arbeit ist ebenfalls eher während des Arbeitsprozesses erstellt worden. Und zu einem guten Teil auch danach. So viel dazu. All diese Vorgaben sind ja irgendwie auch eher Richtlinien. Oder?

Die Abhandlung habe ich dennoch pünktlich und mehr als fristgerecht abgeben können, glaube ich zumindest. Nach der Abgabe hieß es warten. Ich hatte ja auch Zeit und mehr als Durchfallen konnte ich nicht. Über eine miese Note habe ich mir eher wenige bis gar keine Gedanken gemacht. Meine größere Sorge war da eher das Mittagessen oder das Loch in meinem rechten Schuh. Das ist recht ärgerlich: Viele meiner Schuhe haben nach einiger Zeit ein Loch im hinteren Bereich der rechten Sohle. Aber wirklich nur der eine Schuh. Ich laufe wohl etwas seltsam, vielleicht sollte ich das mal untersuchen lassen…

Wochen später gab es jedenfalls eine Rückmeldung von meinem Dozenten: Eine hervorragende Arbeit, sehr wissenschaftlich gearbeitet und wirklich ganz stark und überhaupt und so. Da muss ich mich ja richtig reingekniet haben. Er schüttelt mir die Hand, drückt mir die Arbeit in selbige und strahlt: „Wenn Sie hier fertig sind, dann brauchen Sie sich keine Sorgen machen. In der Wissenschaft sind Sie gut aufgehoben.“

„Was zur…?“ – Ich blicke auf die Arbeit in meiner Hand. Hat mein Professor die Arbeiten vertauscht? Mit welchem Kerl verwechselt er mich? Dem muss wohl jemand mächtig auf den Kopf gehauen haben. Oder wenigstens angefahren. Jedoch: Auf dem Deckblatt steht mein Name, mein Thema. Das kann ja wohl nicht sein Ernst sein!

 

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.