Wohnst du noch…

oder liest Du schon?

Waren Sie schon einmal bei IKEA? Doofe Frage eigentlich – jeder war schon bei IKEA. Das schwedische Möbelhaus ist seit 1943 auf dem Markt und beschäftigt weltweit etwa 131.000 Mitarbeiter. Eine unfassbare Zahl. In etwa die Einwohnerzahl der gesamten Grafschaft Bentheim, wenn ich mich nicht irre. Diese 131.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im Jahr 2013 einen ungefähren Umsatz von rund 28,5 Milliarden (!) Euro. Und das lediglich mit dem Verkauf von Einrichtungsgegenständen, Teppichen und Fleischbällchen.

Mehr als nur ein Möbelhaus

Fleischbällchen? Richtig gelesen. IKEA ist (wie ja eigentlich alle wissen) mehr als nur ein Möbelhaus. Jede Filiale verfügt über ein eigenes „Kinderparadies“. Keine Ahnung, wie genau es genannt wird – jedenfalls kann man dort am Eingang seine Kinder abgeben und sich dann in Ruhe nach Artikeln mit skurrilen Namen wie „Smycka“ und „Kvart“ umsehen. Kommen Sie drauf, wofür die beiden Bezeichnungen stehen? Smycka bedeutet grob übersetzt wohl so viel wie Schmuck oder schmücken und steht bezeichnend für Dekorationsartikel aller Art. Kvart oder Quarte ist in der Musik ein „Intervall, das vier Tonstufen einer diatonischen, heptatonischen Tonleiter umspannt“. Habe ich direkt erkannt und verstanden. Scheinbar ist die Quarte auch das „Komplementärintervall zur Quinte“. Bei IKEA findet man in der „Kvart“-Abteilung jedenfalls Lampen. Macht in meinem Kopf keinen Sinn, aber was weiß ich schon. Trotz all der seltsamen Namen, der blau-gelben Farben und des gesamten Auftrittes nach außen ist IKEA aber eigentlich gar nicht mehr schwedisch: Das Unternehmen gehört der niederländischen Stiftung „Stichting INGKA Foundation“. Sie sind also nur Scheinschweden.

Wohne ich halt bei IKEA und esse Köttbullar

Das Sortiment deckt alles ab und die blau-gelb gestrichenen Hallen erstrecken sich über tausende von Quadratmetern. Normalerweise wird man recht zügig wie an einem Faden vom Eingang zu den Kassen geführt. Dabei passiert man so unmöglich viele praktische und durchdachte Artikel, dass man auch schnell vom Weg abkommt. Ich weiß ja nicht, wem das noch so geht, aber ich verlaufe mich ständig. Wenn meine Freundin mich nicht immer wieder finden und auf die richtige Route setzen würde, dann hätte ich wohl keine andere Wahl, als mich in einem Komplettzimmer einzurichten und dort zu wohnen. Zum Abendessen gibt es dann Köttbullar, mittags Kuchen und am Abend eine Handvoll Hotdogs. Ich wäre sooo zufrieden. Allerdings sind die Badezimmer dort wohl nicht korrekt angeschlossen. Das Problem müsste ich noch irgendwie lösen… Und bald werden in allen Filialen auf der ganzen Welt vegane Köttbullar eingeführt – ganz im Ernst: Was soll das? Das sind dann Fleischbällchen ohne Fleisch. Was kommt als nächstes? Bienenstich ohne Bienen?

Fertighäuser – von IKEA!

Und wenn man schon komplette Einrichtungen für jedes Zimmer und sogar ganze zueinander passende Wohnungen anbietet, was liegt dann näher? Genau! Nichts anderes als eine Reihe von industriell vorgefertigten Häusern. Ganz richtig, Sie haben das nicht falsch gelesen. Unter dem Markennamen BoKlok verkaufen die Scheinschweden aus den Niederlanden ganze Fertighäuser. Der frischgebackene Eigenheimbesitzer bekommt für eine ordentliche Stange Geld ein Haus mit einem offenen Grundriss, hohe helle Räume, große Fenster und einen kleinen Garten inklusive Apfelbaum.

Übrigens: Dieser Beitrag wird in keinster Weise durch die bekannte Einrichtungskette unterstützt. Leider. Obwohl ich hier schon recht deutlich Werbung mache. Ey, IKEA – lass doch mal bitte ein paar Möbel rüberwachsen!

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.