Youtuber – die Pest des 21. Jahrhunderts

Sie heißen LeFloid, Y-Titty oder Dagi Bee. Sie arbeiten mit Jump Cuts, setzen manipulative Thumbnails und benutzen unnötig reißerische Überschriften. Außerdem sind sie überdreht, abgehoben und unfassbar unwitzig. Dieses Pack geht mir auf den Geist.

Viele von diesen Sternchen des Internets waren nicht nur mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern sind diese Idee auch konsequent angegangen und haben ihr Ding durchgezogen. Keine Frage.

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Hier hört es für mich jedoch auf. Diese jungen Menschen produzieren Videos über eine bunte Mischung von Themen. Videospiele, Lifestyle und solche Sachen eben. Sie produzieren diese Videos, weil sie damit eine schier unfassbare Menge an Zuschauern erreichen – die Aufrufzahlen gehen in die Millionen. Zielgruppe? Teenager und solche, die es werden wollen. Dabei setzen die Youtuber auf einen albernen und kindlichen Humor, der leider genau das Spaßzentrum der genannten Zielgruppe trifft.

Wie in so vielen Bereichen hängt die deutsche Szene dem amerikanischen Vorbild meilenweit hinterher. Während in den USA und Kanada richtige Youtube-Größen wie Ray William Johnson (Equals Three) oder Freddie Wong (FreddieW(Link inaktiv)) qualitativ hochwertige Kurzfilme und Videos drehen, steckt die Szene hier noch in den Kinderschuhen.

Klar, auch in Amerika sind viele der bekannten Youtuber vergleichbar mit einem Eichhörnchen auf einer Überdosis Koffein, allerdings stechen dort die wirklichen Experten durch unbestreitbare Qualität und Professionalität aus der Masse heraus. Bei uns ist es leider anders – die wirklich guten deutschen Youtuber kommen gegen das ununterbrochen quasselnde Idiotenpack leider nicht (oder nur schwer) an.

Glücklicherweise gibt es auch hier Ausnahmen. Allen voran mein liebstes Beispiel: RocketbeansTV. Die fröhlichen Hamburger haben nach dem Ende von Gameone im deutschen Fernsehen mit ihrer Produktionsfirma Rocketbeans Entertainment GmbH ein imposantes Projekt aus dem Boden gestampft – RocketbeansTV läuft seit Januar 2015 24/7 live auf Twitch.tv.

Bereits vorher haben sich die Bohnen mit ihrem Youtube-Kanal RocketbeansTV deutlich von der klassischen Jump Cut-Masse distanziert. Statt kurzer Videos mit unnötigen Schnitten, peinlich-albernen Witzen und viel Gekreische erstrecken ihre Formate sich gerne über Längen von einer Stunde, professionelle Schnitte mit Live-Regie und Qualität im Gespräch. Hier wird nicht auf wilde Klicks von dreizehnjährigen Mitläufern abgezielt, sondern auf ein anspruchsvolles Publikum im Erwachsenenalter.

Ich hoffe wirklich, dass sich hier in der deutschen Youtube-Szene noch einiges verändern und verbessen wird. Für mehr qualitativ hochwertigen Content und bessere Unterhaltung – bitte!

In diesem Sinne,

Sebastian

Sebastian Lindschulte

Sebastian Lindschulte führt diesen Blog - alle Beiträge stammen aus seiner Feder. Oder Tastatur.

Schreibe einen Kommentar